Odoo Enterprise
Resource Planning

Case-Studies, Branchenwissen und Praxisberichte.

Level9 RMS

Ein ERP System benötigen, das richtige System finden und dieses implementieren (lassen) – Teil 2

Klassisches oder agiles Projektmanagement – Oldschool Standardisierung oder neue Projektkultur?

Abbildungen des klassichen und des agilen Ansatzes

Klassisches und agiles Projektmanagement stehen im Gegensatz zueinander. Das eine schließt das andere aus! Oder nicht?

Nachdem ich im ersten Teil die ERP Systeme Microsoft Dynamics NAV, NetSuite und Odoo mit einander verglichen habe, beschäftigt mich, in diesem zweiten Teil, die Qual der Wahl des richtigen Projektmanagements für eine ERP- Einführung oder –Umstellung.

Standardisierte Vorgehensweise, konkrete Phasen und Meilensteine und detaillierte Aufgaben – das sind die Merkmale des klassischen Projektmanagements (PM). Standardisierung bedeutet Vereinheitlichung. Im PM werden Vorgehensmodelle vereinheitlicht und Methoden zu standardisierten Projektabläufen zusammengefasst.

Die Vereinheitlichung verfolgt immer die gleichen Ziele:

  • Verständnis aller Beteiligten: einheitliche Vorstellung aller Erwartungshaltungen
  • Vereinfachung und somit Verbesserung der internen und externen Zusammenarbeit: wird erreicht, wenn ein gemeinsames Vorgehen definiert ist
  • Vergleichbarkeit von Projektständen: Möglichkeit, aus einer übergeordneten Managementperspektive heraus alle Projekte miteinander vergleichen und steuern zu können

Auf weitreichende und detaillierte Standardisierung wird beim agilen Vorgehen verzichtet. Ersatz bieten die Projetkultur und der Ansatz, sich fortlaufend verbessern zu wollen. Im Wesentlichen basiert die Projektkultur auf eigenorganisierten Teams und der vollständigen Integration des Kunden in das Projekt. In den Mittelpunkt rückt das Team – inklusive des Kunden.

Doch ganz kann auch das agile Vorgehen nicht auf Standardisierungen verzichten. Diese beziehen sich hier stärker auf die Interaktion im Team. Grundlegend werden agile Prozesse und Vorgehen als Rahmen beschrieben, leben aber von der jeweiligen Weiterentwicklung und Gestaltung der Beteiligten.

Das agile Vorgehen legt den Schwerpunkt auf Werte, Transparenz, Kommunikation und Kooperation. Der betriebswirtschaftliche Erfolg steht hier ebenso wie im Standardisierten Ansatz im Mittelpunkt, es rücken jedoch auch immaterielle Werte in den Fokus. Andere Kernpunkte sind der flexible Umgang mit Veränderungen im Projekt. Dies ist durch flache Hierarchien und ein hohes Maß an Kommunikation sowie Eigenverantwortung im Team möglich. Die nachfolgend dargestellten Ziele sind Kernbestandteile der agilen Projektkultur:

  • lösungsorientierte, eigenorganisierte Teams
  • Förderung der Eigeninitiative und Verantwortung
  • Wissenstransfer
  • Messbarkeit der Fertigstellung

Es wird pro Projektabschnitt, bspw. in einem Sprint in Scrum, ein getestetes und funktionales Zwischenprodukt (Projektinkrement) ausgeliefert. Innerhalb eines Abschnittes müssen die Phasen Anforderung, Design, Entwicklung und Test durchlaufen werden. So wird eine Darstellung des Verhältnisses zwischen erreichten Ergebnissen und dafür benötigten Ressourcen gewährleistet. Auf diese Weise wird neben einem objektiven Projektcontrolling auch Kundenzufriedenheit und Vertrauen erreicht.

Eine erhöhte Planungssicherheit wird durch die Durchführung von Reviews am Ende eines jeden Projektabschnittes ermöglicht. Daraus resultieren ein verbesserter Wissenstand, sowie die Möglichkeit der dynamischen Plananpassung.

Die nachfolgende Darstellung zeigt die wesentlichen Unterschiede zwischen dem klassischen und dem agilen Ansatz.
Abbildung: Eigene Darstellung in Anlehnung an: Projektmanagement klassisch oder agiles, mit Scrum

Mein Fazit ist, dass ein bis zu einem angemessenen Grad standardisiertes Vorgehen, das auf Best Practice basiert, in jedem Fall anzustreben ist. Die Messbarkeit des Projekterfolges wird zudem durch die Verwendung bereits erprobter, übertragbarer und anpassbarer Modelle erleichtert. Natürlich dürfen die steigenden Anforderungsniveaus und der Mitbestimmungswunsch des Kunden nicht vernachlässigt werden. Standards sollten als grobes Rahmenwerk mit angemessenem Ausdefinierungsgrad und Detailbeschreibungen vorgesehen werden und es sollten projektindividuelle Spielräume großzügig einkalkuliert werden. Sicherlich braucht es ein gewisses Maß an Erfahrung, eine klare Sicht sowie Empathie und einem kooperativen Führungsstil, um in jeder einzelnen Situation entscheiden zu können, ob der klassische Ansatz oder aber der agile angewendet werden sollten. Somit kann ich die eingangs gestellte Frage, ob sich das klassische und agile PM gegenseitig ausschließen, getrost verneinen, da sich Standardisierung und Kultur nicht widersprechen, sondern können in Verbindung miteinander – und richtig eingesetzt – große Vorteile für Projekte bringen. Ein weiterer positiver Nebeneffekt ist, dass durch eine offene, transparente und flexible Kultur ein sich weitestgehend selbstregulierendes Projektumfeld geschaffen wird.

Zur Blogübersicht

Teilen: